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Abwarten und Rum trinken. Ein Drink, der aus der Mode kam.

Wenn jemand „Rum“ sagt, dann denken wir sofort an alte Segelschiffe.
Und wenn wir an solche Schiffe denken, haben wir sofort romantische Vorstellungen im Kopf.

Fünfzehn Mann auf des toten Manns Kiste
Ho ho ho und ne Buddel mit Rum
Schnaps stand stehts auf der Höllenfahrtsliste
Ho ho ho und ne Buddel mit Rum

Wahrscheinlich gibt es kein Getränk, das im Kollektivgedächtnis stärker mit der Hochseeromantik verknüpft ist als Rum. In Stevensons Schatzinsel  verlangte der der Piratenkapitän John Flint selbst auf dem Sterbebett noch hartnäckig Rum!

Aber alles ist im Fluss, alles ändert sich. Ruft euch mal in Erinnerung: Wann habt ihr das letzte Mal an der Kasse auch nur eine einzige Flasche Rum eingecheckt? Es ist, so schätzen einige Experten, als sei der Drink vollständig aus der Mode geraten. Allerdings nicht ein und für allemale. Nach seiner langen Geschichte und aufgrund seines genialen Charmes – solide, aber auch rebellisch und hipsterhaft  – verspricht der Rum für immer zu bleiben. Er hat sich einfach in seiner Nische eingerichtet und schaut zu, wie wir mit allem experimentieren, was getrunken wird. Übrigens eignet sich Rum nicht einfach nur so gut zum Experimentieren. Tatsächlich liegt es in seinem Schicksal und an seinem besonderen Temperament.

Die Wurzeln des Rums, so sagt man, sind dabei überhaupt nicht so karibisch wie viele von uns gewöhnlicherweise denken. Einige eurozentristische Experten wollen herausgefunden haben, dass man schon im antiken Griechenland Rum trank – siebzehn Jahrhunderte bevor man in Europa an die Existenz Amerikas auch nur dachte.

Und womöglich haben die Araber ein gewisses, fermentiertes Getränk, hergestellt aus Zuckerrohrsaft, auf die pyrennäischen Halbinseln gebracht. Siebenhundert Jahre vor Kolumbus,. Das Getränk kann also  einfach unmöglich kubanischen Ursprungs sein, sondern müsste irgendwo aus Ozeanien her stammen.

Wenn man versucht herauszufinden woher überhaupt die Bezeichnung „Rum“ stammt und die Ethymologie zuhilfe nimmt, wird es leider auch nicht einfacher. Eine der Erklärungen besteht darin, dass „Rum“ vom Wort rumbullion abstammt, welches aus dem Bajan stammt – einem auf Barbados gebräuchlichen Dialekt des Englischen – und so viel wie „Aufruhr“ oder „Tumult“ bedeutet. Englischen Muttersprachlern in Europa wiederum war das dann zu umständlich und sie verkürzten den Namen des starken Drinks zum bis heute geläufigen, einsilbigen rum.

Es gibt auch noch andere Theorien, die behaupten, dass „rum“ vom englischen rumbolved (grollen, tosen), vom niederländischen roemers (die niederländische Entsprechung des auch in Deutschland bekannten Römer-Weinglases), vom lateinischen saccharum (Zuckerrohr), vom französischen arôme (Aroma)oder vielen anderen abstammen könnte.

Unabhängig von seiner Herkunft bezeichnet das Wort „Rum“ ein hochprozentiges alkoholisches Getränk, das durch Fermentierung und Destillation von Zuckerrohrsaft oder dessen Melasse gewonnen wird. Mehr oder weniger bekannte Varianten gibt es dabei gar nicht mal so wenige. Weißer Rum ist die wahrscheinlich am einfachsten und schnellsten herstellbare.

Der typische weiße Rum ist schon immer der Bacardi Rum gewesen, auf dessen Basis auch auf der Höhe des Konfliktes zwischen Amerikanern und Kubanern an der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert ersonnene, berühmte Cocktail Cuba Libre (spanisch für „freies Kuba“)  beruht.

Die Firma Bacardi wurde ursprünglich 1862 auf Kuba gegründet, von wo der „Piratenschnaps“ stammte und von wo aus er exportiert wurde. Nach der kubanischen Revolution verlegte Bacardi schließlich seinen Sitz nach Puerto Rico. Aber der Rum verschwand so oder so niemals aus der Karibik.

Kuba gilt als Wiege des Rums, doch paradoxerweise wird der meiste kubanische Rum  nicht auf Kuba, sondern in der dominikanischen Republik hergestellt.

Neben diesen beiden Ländern wird auch auf Barbados, Jamaika, Trinidad und Tobago, in Venezuela, Belize, den Bermudainseln, auf Haiti und auf Martinique Rum gebrannt. Daneben wird er auch noch in einigen anderen Ländern hergestellt (z.B. in Spanien, den Niederlanden oder Indien), aber als authentischster Rum gilt natürlich der karibische.

Aber zurück zum Thema. Immer weniger Rum wurde getrunken und auch Bestellungen für Cuba Libre wurden zur Seltenheit. Aus alter Gewohnheit haben die Bartender sicherheitshalber das Rezept dieses historischen Cocktails aufbewahrt.

Ungeachtet der schwindenden Popularität des Rums trifft man hier und da auch noch Ästheten, die es bevorzugen dieses legendäre Getränk ohne jegliche Zusätze zu verkosten.

Der gemütliche Genuss eines Gläschen Rums nach dem Essen, das ist schon etwas Besonderes. Reiner Rum ist ein Getränk für sich. Er ist wie der Ausklang eines ermüdenden Tages, der viel Kraft gekostet hat, aber am Ende winkt doch der Erfolg.

Wodka und Kognak können da nicht mithalten – viel zu gewöhnlich! Für so etwas braucht es unbedingt Rum. Zur Erinnerung und zum Gedächtnis. Varadero, Legendario, Methuselah, Barceló, Cacique, Habana Club – das sind die einfachen Sorten. Und für die Anspruchsvollsten: Jamaikaner Appleton 50 Years, Tournaire Clément von der Insel Martinique oder Zacapa Royal aus Guatemala.

Für all jene, die eine Vielzahl verschiedener Geschmäcker bevorzugen gibt es natürlich nichts passenderes als Cocktails auf Basis von Rum. Übrigens, hier nochmal für alle Fälle das Rezept für Cuba Libre.

  • 50 ml weißer Rum
  • 120 ml Cola
  • 10 ml frischer Limettensaft
  • Eine Limettenscheibe
  • massive Eiswürfel

 

Legt die Eiswürfel in einen Highball, ein spezielles Cocktailglas. Gebt den weißen Rum und das Cola hinzu. Messt einige Tropfen Limettensaft ab und dekoriert das Glas mit dem Cocktail mit der Limettenscheibe.

Genießt den Drink ohne Eile. Abwarten und Rum trinken.

Der Rum ist lediglich für einige Zeit aus der Mode gekommen und wartet bis er aufs Neue aufersteht, auf seine Rückkehr. Und dann, eines Tages, Jo ho ho, dann ist es soweit!