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Armagnac – Das Getränk mit der Seele der Gascogne

Wenn man sich bei einem Menschen, der in alkoholischen Getränken unbewandert ist, erkundigen möchte, was denn Armagnac sei, kann man einige verschiedene Geschichten zu hören bekommen. Etwa, dass es ein Cognac aus der Gascogne sei - oder dass er der ältere Bruder des Cognac sei.



Probieren wir mal, das zu entwirren. Ja, Armagnac ist wirklich gascognisch, aber natürlich kein Cognac, sondern ein Weinbrand, mit einem ungewöhnlichen Herstellungsverfahren. Was die Geschichte des Getränkes angeht, so sind die Angelegenheiten hier noch interessanter: Das Brennen von Wein zu Branntwein begann in der Gascogne 150 Jahre früher als in der Charente, aber Armagnac war das freilich noch nicht.  Schließlich wurden die Bestimmungen, welche die moderne Fassung des Getränkes festlegen, vor nicht gar zu langer Zeit erlassen: 1936 nämlich, als die Technologie zur Herstellung von Armagnac legalisiert wurde. Deswegen ist das mit dem Alter der Spirituose nicht ganz so einfach. Sogesehen ist er gleichzeitig älter und jünger als der Cognac. Und in jedem Fall weit weniger bekannt. Die Franzosen selbst sagen: „Den Cognac schenkten wir der Welt, aber den Armagnac behalten wir für uns.“

Mit „uns“, damit sind hier in erster Linie die Gascogner gemeint. Denn genau dort, in der historischen Region zwischen den Flüssen Garonne und Adour, bildete sich im Herzogtum Aquitanien die Grafschaft Armagnac, wo das Getränk schließlich seinen Ursprung fand. Heute sind die Grenzen der Region durch ein Gesetz von 1909 genaustens definiert und in drei Gebiete gegliedert:  Bas-Armagnac, Tenareze und Haut-Armagnac. Et vóilà: Armagnac, Landsmann des D‘Artagnan!



Technische Feinheiten

Zunächst wirkt Armagnac wie ein gewöhnlicher Weinbrand. Sogar die Rebsorten sind dieselben wie beim Cognac – Ugni Blanc, Colombar, Folle Blanche. Allerdings brennt man den Brennwein nicht, wie sonst für den Großteil der Weinbrände üblich, in einem charantennischem Alambik, sondern in einem speziellen, gascogner Alambik.


Der Großteil der Hersteller gewinnt Armagnac aus einer Selektion an Weindestillaten in einer Stärke von 52-65 Prozent Alkoholvolumen – das ist um einiges weniger als es bei Cognac üblich wäre (68-72%) und bewahrt im Getränk eine deutlich größere Menge natürlicher Aromen. Übrigens muss der gesamte Brennvorgang auch rascher abgeschlossen sein – bis zum 31. Jänner. Beim Cognac ist das Reglement nicht so streng – hier ist der 31. März der Stichtag. Die Reifung des Armagnac verläuft analog zu der des Cognac, allerdings nur in Fässern aus regionalen, gascogner Eichen.

Interessant ist, dass, während der Großteil der Produzenten in Cognac (Stadt) gelegentlich die Ernte bei kleinen Höfen in Form von Beeren oder schon als  Grundwein käuft, sich unter den Armagnac-Herstellern eine große Zahl kleiner Höfe findet, was ein für die alte Welt einzigartiges Phänomen hervorgebracht hat:
Regelrechte „Wanderbrennereien“, die ihre Brennvorgänge mit mobilen Alambiks durchführen, die zur rechten Zeit zum rechten Hof und anschließend dann von einem zum nächsten Hof gebracht werden.



Die besten Kombinationen
Mit was trinkt man Armagnac? Und wie?  Wie schon beim Cognac, trinkt man aus runden Cognacgläsern, leicht aufgewärmt in der Hand, damit die Aromen sich besser entfalten. Und zu was trinkt man ihn? Hier treffen wir wieder auf einen Unterschied zum Cognac. Die üblichen Beilagen zu Cognac sind Zigarren, Kaffee und Schokolade – edel, aber auch ein wenig fad – treten hier zugunsten einer Vielzahl unterschiedlicher Gerichte ab. Denn die echte gascogner Küche ist ohne Armagnac schlichtweg unvorstellbar!

Junge Armagnacs mit dem Prädikat VSOP passen hervorragend zu gebratenem Fleisch und finden auch als Bestandteil von Soßen für Salate Verwendung. Ältere, hingegen, mit der Kennzeichnung XO, passen vorzüglich zu solch Meisterwerken der gascogner Küche wie Entenfilet mit Honig oder Perlhuhn mit Pfirsichen. Auch mit Blauschimmelkäsen harmonieren sie gut. Und sie verleihen jedem Gericht neue Farbe, wie etwa Birnencharlottes oder einer tarte tatin, wenn man beim Zubereiten Armagnac hinzugibt! ...aber auch für die jüngsten, hellen, ungereiften Sorten findet sich eine Verwendung. Legt man reife Himbeeren, Birnen oder Pflaumen darin ein, erhält man die wunderbarsten Desserts.

Aber das alles betrifft nur die gewöhnlichen Armagnacs. Die Berühmtheit dieses Getränkes beruht auf seiner langen Reifung. Und hier ist wieder ein Unterschied zum Cognac. Diesmal aber eher auf einer philosophischen Ebene. Die Cognachersteller sind stolz auf ihre assemblages lange gereifter Weindestillate und heben ganz besonders den Geschmack des Cognacs hervor, der sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg erhält. Die Hersteller von Armagnac aber stellen nur selten assemblages her, die das Alter des Prädikates XO übersteigen. Ja, es stimmt zwar, dass auch in so einer assemblage Weindestillate mit einem Alter von 20 bis 30 Jahren enthalten sein können, aber nur in sehr geringen Mengen. Die Hauptbestimmung dieser besonderen Weindestillate sind die millésimes – die Jahrgänge. Und der Geschmack der millésimes ein- und desselben Herstellers, aber aus verschiedenen Jahren, wird sich spürbar unterscheiden, was es uns ermöglicht, die Freude an der Auswahl bei der Verkostung dieses herrlichen Getränkes jedes Mal aufs Neue zu genießen.

Zum Schluss müssen wir unbedingt noch einige Worte über die „Blume der Gascogne“ verlieren – den floc de Gascogne. Hier bildet eine Mistelle den Grundstoff eines jungen, aber nicht älter als zwei-drei Jahre alten Weindestillats und wird mit frischem Traubensaft gemischt. Hierbei verwendet man den Saft sowohl weißer wie auch roter Trauben. Die resultierende Mischung hat eine Stärke von 16-19 Prozent Alkoholvolumen und wird noch 10 (für weiße) bzw. 15-18 Monate in Fässern gereift, wobei stets alte Fässer verwendet werden, um das Getränk nicht mit Taninen (Gerbstoffen) zu verunreinen. Dann kommt nur noch die Abfüllung und schon ist ein wunderbarer Digestif fertig.

 

Neugierig geworden? Besuchen Sie uns in der Trinity Irish Bar Vienna unter der Adresse Rilkeplatz 3 und genießen Sie selbst! Wir trinken mit Ihnen auf die sonnige Gascogne und ihr Kind, das Getränk mit der Seele der Gascogne!