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Calvados. Das Getränk der Helden Remarques und Hemingways

Ein grobes Getränk für Bauern.

Die Geschichte des Calvados ist geheimnisvoll und steckt voller kurioser Details. Das seit 1553 bekannte Getränk erhielt erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts seinen heutigen Namen. Man geht davon aus, dass er von Calvados stammt – dem Namen eines Départements in der Normandie. Aber woher der Name des Départements kommt, diese Frage ist offen. Einer Erklärung nach ist Calvados der leicht geänderte Name der spanischen Galeone El Salvador (der Retter/Heiland), die einst vor der Küste der Region Schiffbruch erlitt. Auch eine andere Erklärung für die Namensgebung des Départements führt uns zu trostlosen, kargen, sandigen Küsten. Auf schönen, alten Gemälden wurden solche normannischen Motive mit der geographischen Bezeichnung calva dorsa versehen, was so viel wie „kahles Ufer“ bedeutet.

Unabhängig davon, welche dieser Erklärungen nun näher an der Wirklichkeit liegt, ist noch zu bemerken, dass Äpfel in der Region Calvados allgegenwärtig sind.
Es gibt kaum ein Haus, das nicht von Apfel- und Birnengärten umgringt ist. Sogar die Nachfahren der Wikinger, sesshaft in der Region seit dem 10. Jahrhundert, haben hier Äpfel angebaut.
Allerdings hatten sie auch schlichtweg keine andere Wahl – Gersten gedeiht im Calvados nicht sonderlich gut, anständige Biere von ausreichender Güte kann man daraus nicht herstellen. Aber dafür gibt es eben Äpfel und Birnen.
 
Überhaupt wurde in der Umgebung mehr Cidre als Bier hergestellt. Cidre gab es nicht nur reichlich, sondern mehr als reichlich. Deshalb begann man sofort erste Erfahrungen in der Verarbeitung von Cidre zu sammeln als das Destillationsverfahren seinen Einzug in der Region hielt. Wenig überraschend verleitet das dortige Klima im Winter dazu, dass man gerne etwas Kräftiges, Wärmendes in seinem Glas hat. Und Cidre an sich hält sich nicht sonderlich lange. Der hiesige Adlige Gilles Picot de Gouberville überlieferte 1553 in seinem Tagebuch, dass  er mit dem Brennen von Cidre angefangen habe um eine Art „Wasser des Lebens aus Äpfeln“ zu erhalten. Eben diese Niederschrift gilt auch als der erste schriftliche Beleg für Calvados.

Gut vierzig Jahre später, um 1600 herum, entstand unter den örtlichen Landbesitzern eine erste Zunft der Apfelbrandhersteller. 1741 wurde unter dem Vorsitz des Kanzlers Henri François d’Aguesseau ein Reskript angenommen, das erstmals die Produktionsnormen, Pflichten und Privielgien der Herstellung eines neuen starkalkoholischen Getränkes auf Basis von Apfelwein in der Normandie definierte. Die Einstellung der Leute gegenüber Apfelbrand veränderte das Reskript allerdings nicht – Er galt noch immer als ein grobes und bäuerliches Getränk.

 

Die Weltkriege
Nach und nach wurde die Produktion immer weiter perfektioniert, die lange Reifung wurde zum Standard und für das Getränk verfestigte sich nun deutlich der Name „Calvados“. Aber über die Grenzen Frankreichs reichte die Bekanntheit dieses Calvados nicht hinaus. Das sollte sich erst nach dem Ende des ersten Weltkriegs ändern, als die zurückkehrenden englischen und amerikanischen Soldaten Calvados aus Frankreich mit nach Hause brachten. So eroberte das Getränk nach und nach die weite Welt.


Der zweite Weltkrieg eröffnete das nächste Kapitel in der Geschichte des Calvados. 1941 wurde ein Befehl über den Einzug starken Alkohols für den Bedarf der Armee erteilt – man versuchte den Apfelbrand als Treibstoff einzusetzen. Dafür eignete sich der Calvados allerdings nicht, denn er enthält zu viele Zusätze, so dass die Idee 1942 wieder an den Nagel gehängt wurde.

Abgesehen davon, dass die minimale Reifungszeit für Calvados, abhängig von der Region, bei 2-3 Jahren liegt, kann die Reifung eines erlesenen Calvados bis zu 40-45 Jahre dauern. Normalerweise würde man ihn nicht so lange reifen lassen, da die Spirituose so ihr charakteristisches Apfelaroma und ihren leicht süßlichen Geschmack verliert. Allerdings geben die Hersteller nach der Reifung normalerweise noch verschiedene andere Zusätze und Zutaten hinzu. Deren genaue Zusammensetzung sind das Geheimnis und der Stolz eines jeden Hauses. Auf dem Etikett des fertigen Produktes wird immer unbedingt die Region mitangegeben, eine Altersangabe jedoch ist nicht zwingend notwendig.

 

Falls Sie nach dem Lesen dieses Artikels gerne selbst die geschmackliche Vielfalt des Calvados erleben möchten oder Sie ihn vielleicht sogar das erste Mal überhaupt probieren wollen, kommen Sie gerne zur Trinity Irish Bar Vienna, wo unsere Barkeeper Ihnen mit Freude dieses wunderbare Getränk ausschenken werden.