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Der heilige Patrick von Irland

Fast alle wissen, dass es den Tag von St. Patrick gibt. Nicht alle erinnern sich aber daran, wann er gefeiert wird. Aber die Tatsache, dass dieser Feiertag existiert, ist zweifellos jedem bekannt, der ein Pint selbstständig hochheben kann. Dabei gibt es nicht besonders viele Menschen außerhalb Irlands, die genau wissen, wer dieser Patrick war.

Lasst uns kurz vor dem Tag von - ihr wisst selbst von wem - diesen Fehler zu beheben. 

Bereit? Los geht’s!

 

Patrick ist der Sohn eines Diakons, was aber nicht sicher ist.

Jedes Jahr am 17. März feiern Millionen Menschen weltweit den Tag von St. Patrick, dem heiligen Schutzpatron Irlands. Je mehr Zeit vorbei geht und je tiefer wir versuchen in die Geschichte des Lebens dieser legendären Person zu schauen, desto mehr verstehen wir, wie wenig wir über Patrick in der Tat wissen. 

Obwohl viele Bücher über Patrick geschrieben wurden, existiert immer noch keine widerspruchsfreie Beschreibung seines Lebens und sogar die Daten seiner Geburt und seines Todes sind nicht wirklich bekannt. Das alles während es mindestens zwei Vitas von Patrick gibt und natürlich noch sein Werk “Confessio”. Trotz der Tatsache, dass Patrick zum irischen Apostel und zum am höchsten geehrten Heiligen geworden ist, kann er formell weder als der Einzige noch als der Erste Bote des Christentums auf der Insel der Heiligen, wie Irland historisch genannt wird, bezeichnet werden. 

Der erste Bischof, “für Iren, die an Christus glauben”, war galloromanisch und hieß Palladius. Er wurde vom Papst Coelestin I. im Jahr 431 ausgewählt. Obwohl Irland nie ein Teil des römischen Imperiums war, wohnten dort seit dem Ende des 4. Jahrhunderts Christen, die Nachfolger von Kaufmännern und römisch-britischen Gefangenen waren oder ehemalige irische Heiden, die von diesen den neuen Glauben übernahmen. Gleichzeitig haben Piraten, die Iren und Pikten waren, am Ende des 4. beziehungsweise Anfang des 5. Jahrhunderts Britannien und Wales überfallen und viele Gefangene, darunter auch unseren Patrick, zurück gebracht. Jaja, der irische Haupt Heilige war kein Ire, sondern, wenn modern bezeichnet, ein walisischer Immigrant, der kein irischer Muttersprachler war.

Patrick wurde im Ort Bannaventa Berniae, der vermutlich auf dem westlichen Ufer Britanniens in Nordwales lag, geboren. In den 390er Jahren verließ die römische Armee diese Provinz und die Piraten sind zu den Herrschern des Ufers geworden. 

Patrick, der Sohn eines Diakons (oder eines römischen Steuereintreibers) wurde als Sklave verschleppt, als er noch keine 16 Jahre alt war. Die folgenden sechs Jahre verbrachte der zukünftige Heilige in Irland. Die ganze Zeit betete er. Einmal hörte er die Stimme eines Engels, die ihm half auf einem Schiff mit heidnischen Matrosen zurück nach Britannien zu fliehen. Im Alter von 30 Jahren brach Patrick (wieder nach dem Ruf des Engels) über Gallien nach Rom auf, um den heiligen Stuhl zu ehren. Auf dem Weg traf er den heiligen Hermann, Bischof von Auxerre und wurde zu seinem Lehrling. Irgendwann eröffnete der Schutzengel von Patrick, Victoricus unserem Held das Geheimnis seiner Berufung: das Christentum nach Irland zu bringen. 

Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!

Dazwischen starb der erste irische Bischof Palladius ohne großen Erfolg bei der Christianisierung Irlands erreicht zu haben. Die Iren ohne Pastor zu lassen war keine gute Idee. Deswegen machte Patrick sich auf den Weg. Er wurde als Bischof geweiht und reiste über Britannien zurück auf die Emerald Insel. 

Es ist wichtig zu verstehen, dass Patrick von britischen Bischöfen ausgewählt wurde, aber keine Zulassung vom Papst erhalten hatte. Dadurch wurde seine Immunität in Frage gestellt. Um den Schutz zu erhalten musste Patrick Clanführer und Brithem (frühmittelalterliche irische Rechtsgelehrte) bezahlen. Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott! Dabei versuchte der Heilige keine Geschenke anzunehmen. 

Es ist interessant wie sich der Patrick aus seiner Vita von dem Patrick aus “Confessio”, dass er selbst geschrieben hat, unterscheidet. In der Vita ist er ein mächtiger Wundertäter, der mutig an magischen Kämpfen mit Druiden teilnimmt und durch Kraft seiner Wunder König Laoghaire überzeugt, sich christlich taufen zu lassen. In “Confessio” nennt er sich selbst humil und bitter “Sünder und Unbelehrter” und sagt, dass der Erfolg seiner Mission von der Stärke seines Glaubens, seiner Überzeugungskraft und Hilfe seiner Gefolgsleute abhängig ist.

Übrigens müssen die Menschen, die mit Patrick zusammen unterwegs waren und an der Christianisierung des Landes teilgenommen und Kloster gegründet haben, extra erwähnt werden. In seinen Werken spricht Patrick über Jungen aus Edel Familien, die er selbst für Hilfe und Schutz bezahlt hat, und über die Frauen, die ihm ihren Schmuck gespendet haben. Es kann sein, dass St. Patrick für die adligen aber armen Jungen und wohlhabenden, für Predigten sensiblen Frauen nicht nur ein geistiger Führer sondern auch ein Wegweiser war. Dazu ist der neue Glaube teilweise zu einer Mode geworden. 

Der Weg des Heiligen war nicht nur mit Blumen gesäumt. Die lokalen Clanführer gaben Patrick nicht nur Unterstützung sondern leisteten auch Widerstand. In “Confessio” steht, dass Patrick und seine Begleiter einmal 14 Tage lang gefesselt in Gefangenschaft waren. Öfter aber ermöglichten die Kinder von Führern aus verschiedenen Stämmen Patrick die Gelegenheit zu predigen und die Grenzen sicher zu überqueren. Die Geschenke an lokale Machthaber brachten auch viel: die Anzahl von Christen in Irland wuchs mit jedem Tag.

Trotzdem lässt sich die beinahe unblutige Bekehrung zum Christentum des Großteils des Landes nicht allein durch den starken Glauben und die außerordentlichen Eigenschaften des ehemaligen Häftlings, der zudem ein Ausländer war, erklären. Einige Historiker Irlands vertreten die auch unserer Meinung nach richtige Behauptung, dass zu dem Zeitpunkt als der heilige Patrick kam, die Kriegerkaste die Wege suchte die Herrschaft der Druiden zu beenden. Falls es in der Tat so war, war das Erscheinen von Patrick mit seinem Predigen des neuen Glaubens ein unerwartetes Geschenk für die Clanführer und ein Anlass eine anständige Beschäftigung für ihre jungen Söhne zu finden, die mit einem Erbe nicht rechnen konnten. Dazu taufte Patrick die Druiden, hauptsächlich die Filid, die privilegierten Dichter, die sich auch mit den Gesetzen und Traditionen gut auskannten. Dadurch ruinierte das Licht des neuen Glaubens nicht das gewöhnliche Leben der irischen Gesellschaft. 

Dank dem heiligen Patrick nahm Irland das Christentum langsam, natürlich und unblutig an. Dies war sein Hauptverdienst. Der Täufer der Iren gründete mit seinen Helfern zusammen hunderte Kloster. Dazu wurde Patrick unwissend zum Vater lokaler Literatur und sein “Confessio” zum ersten Literaturwerk, das in Irland geschrieben wurde. 

Mit dem Tod des Heiligen kam das Durcheinander mit seiner Biographie nicht zum Ende. Da es zwei Todesjahre von Patrick gibt (457 und 492), entstand in den Texten aus dem Mittelalter ein Konzept, das später auch in wissenschaftlichen Büchern auftaucht: Der heilige Patrick war zwei (oder sogar drei!) verschiedene Menschen. Wir wollen uns aber in diesem Thema nicht vertiefen. Für uns ist wichtig, dass irgendwann verabredet wurde, den Gedenktag des heiligen Patrick am 17. März zu feiern. Heutzutage wird an diesem Datum weltweit die irische Kultur gefeiert. Dafür gebührt Patrick auch der Dank. 

Die richtige Antwort ist: natürlich nicht!

Dieses Jahr ist der St. Patricks Tag durch das Coronavirus verdorben. Viele traditionelle Feierlichkeiten werden in einem gekürzten Format stattfinden. Fast auf der ganzen Welt wurden die Paraden abgesagt, die dem himmlischen Schutzherren der Emerald Insel gewidmet sind. Sogar die kürzeste Parade im irischen Dorf Dripsey, die nur 90 Meter lang ist, genau von einem Pub bis zum nächsten, ist verboten worden. 

Kann aber das Virus uns dabei stören am 17. März uns komplett grün einzukleiden? Oder in ein Glas Whiskey ein Kleeblatt  zu werfen, um danach feierlich “das Dreiblatt leer zu trinken”? Oder mit Freunden eins zwei Pints fröhlich zu leeren dort, wo es erlaubt ist, oder per Video? Oder irisches Fleischragout zu genießen, irischen Apfelkuchen zu probieren und das feierliche Essen mit einer guten Portion Irish Coffee zuhause zu vollenden?

Die richtige Antwort ist: natürlich nicht!