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Vom Bierbrauer zum Graf. Geschichte der legendären Marke Guinness

Guinness ist das berühmteste um am meisten konsumierte irische Bier, das eine Legende und nebenbei die populärste Marke Irlands geworden ist.

Es ist unwahrscheinlich, dass jemand von unseren Lesern nie etwas über Guinness gehört hat. Anders ist das mit der Geschichte dieser legendären Marke. Diese kennt nicht jeder Bierliebhaber. Lasst uns versuchen diese Statistik ein bisschen zu korrigieren, indem mehr Menschen eingeweiht werden.

 

Pacht für 9000 Jahre 

Es wird angenommen, dass die Geschichte von Guinness 1759 beginnt. Wir gehen aber weiter in der Zeit zurück und starten im Jahr 1725. Warum? Weil genau damals in der irischen Grafschaft Kildare Arthur Guinness der Alte geboren wurde. Unternehmer, Philanthrop und - was besonders wichtig ist - Bierbrauer und der Gründer der Großmarke.

Eine große Rolle im Schicksal von Arthur spielte Doktor Arthur Price (Erzbischof, Taufpate und Arbeitgeber von Arthur und seines Vaters Richard). In der Brauerei Carberry’s, die von Price im Jahr 1722 gekauft wurde, braute der Schüler Arthur Guinness sein erstes Bier! Heutzutage befindet sich an der Stelle dieser Brauerei im Ort Celbridge das nette Gastropub “The Village Inn”. In der Mitte der Stadt steht ein Denkmal für Arthur Guinness.

Nach dem Tod von Arthur Price erbte Arthur Guinness 100 Pfund. Genauso viel erhielt auch sein Vater. Dieses Kapital wurde sinnvoll investiert. Im Jahr 1756 mietete Arthur Guinness eine kleine Brauerei in Leixlip und fing an Ale herzustellen. 

Der kleine Ort Leixlip entsprach nicht den Ambitionen von Arthur Guinness. Einige Jahre später zog der Bierbrauer in die Hauptstadt Irlands Dublin um, wo er sofort die Brauerei St. James’s Gate Brewery eröffnete. So begann die Geschichte des Betriebs Guinness. Als Gründungsdatum wurde der 31. Dezember 1759 genannt. Genau an diesem Tag wurde der Pachtvertrag zwischen Arthur Guinness und dem Bürgermeister von Dublin unterschrieben. Dieser Vertrag, nachdem das Land, auf dem die Brauerei steht, an Arthur für 9000 Jahre übergeben wird, ist ein Teil der Weltgeschichte. Die Pacht war nicht mal günstig: 45 Pfund pro Jahr, was sich aber gelohnt hat.

Während der Arbeit an seinem Geschäft und an der Marke schaffte Arthur Guinness der Alte noch einige wichtige Errungenschaften.

Erstens hat er sich als ein begabter Bierbrauer gezeigt und arbeite selbst an Rezepten. Seine Rezepte für Porter entwickelten sich später zu Guinness Draught und Guinness ForeignExtra Stout. Vor einigen Jahren wurden den Rezepten des Alten Guinness neues Leben eingehaucht. Mit Hilfe dieses alten Wissens kreierten die modernen Bierbrauer von Guinness zwei Porter, die auf dem Markt als West-Indies Porter und Dublin Porter erschienen. 

Übrigens über Porter. Genau sie waren das Aushängeschild der St. James’s Gate Brewery während der ersten Etappe der Geschichte von Guinness.

Zweitens war es damals wichtig den Nachfolger zu haben. Die Frau von Arthur, Olivia, brachte 21 Kinder auf die Welt, von denen nur 10 das Erwachsenenalter erreicht haben. Das älteste Kind, Arthur Guinness der Zweite, hat die Geschäfte seines Vaters erfolgreich übernommen.

Arthur Guinness der Alte starb am 23. Januar 1803. Er wurde in der Nähe von Celbridge auf dem Friedhof des Ortes Oughterard begraben. Wisst ihr noch wie hoch das Startkapital seines Geschäfts war? Nach seinem Tod erbten seine Frau und Kinder 25.000 Pounds, gar nicht schlecht.

 

Lord Mayor, Baronet, Graf 

Arthur Guinness der Junge, der seinen Vater am Steuer des Geschäfts ablöste, entwickelte die Firma erfolgreich bis ins Jahr 1855 weiter. Während dieser Jahrzehnte wurde die Produktionsmenge des Bieres mehr als verzehnfacht wodurch Guinness zu einer, wenn nicht sogar zu der größten Brauereien auf den britischen Inseln wurde. Dabei trug Arthur Guinness der Junge auch zur Wirtschaft des eigenen Landes viel bei. Er war zum Beispiel in den Jahren 1804 - 1847 im Aufsichtsrat der Bank von Irland und in den Jahren 1820 - 1822 der Ratschef. Dazu war Arthur Guinness der Junge der Vorsitzende der Handelskammer von Dublin und ein Mitglied der Dublin Corporation, der Bierbrauer Gilde von Dublin und der königlichen Gesellschaft von Dublin.

Der Nachfolger von Arthur Guinness dem Jungen war dessen dritter Sohn Benjamin Lee Guinness, der den Betrieb erfolgreich weiter führte. Er wurde zu einem der reichsten und bedeutendsten Geschäftsleute Irlands. Während der dreizehn Jahren unter der Führung von Benjamin Lee wurde das Verkaufsvolumen von Guinness zweieinhalb mal erhöht, obwohl es schon vorher riesig war.

Genauso wie sein Großvater und Vater war Benjamin Lee ein Philanthrop und auch hier schaffte er es seinen Vorfahren zu übertreffen und 150.000 Pfund für die Restauration des St. Patrick Doms in Dublin zu spenden. Keine Überraschung, dass im Domhof heutzutage ein Denkmal für Benjamin Lee steht. 

Im Jahr 1851 wurde der Nachfolger der zwei Arthur Guinness als Lord Mayor von Dublin gewählt. 

Im Jahr 1862 machte Guinness die Harfe, die in Legenden über den König von Irland Brian Boru vorkommt, zur eigenen registrierten Handelsmarke. Anders gesagt: die irische Harfe wurde zum offiziellen Symbol der Marke Guinness, einige Jahrzehnte bevor sie ein offizielles Symbol des Staates Irland geworden ist! Übrigens musste der Staat die Harfe umdrehen, weil das Trademark ja bereits registriert war. 

Für seine Verdienste für die Krone erhielt Benjamin Lee im Jahr 1867 den Titel Baronet. Im folgenden Jahr starb er. Sein Vermögen betrug 1,1 Millionen Pfund, ein fantastischer Betrag für Irland in dieser Zeit. Der vierte Vertreter der Guinness Dynastie, welcher den Betrieb führte, war Edward Cecil Guinness, der dritte Sohn von Benjamin Lee und der Urenkel von Arthur Guinness dem Alten. Der energievolle und ideenreiche Edward Cecil verwandelte im Jahr 1866 Guinness in eine Aktiengesellschaft. Die Aktienmehrheit blieb allerdings in der Familie. Guinness wurde zur größten Bierbrauerei der Welt.

Edward Cecil beschäftigte sich nicht nur mit Bier. Er war auch Kunstfreund und Wohltäter. Er spendete zum Beispiel eine Million Pfund für Behausungen für Ärmere, gründete die Stiftung Guinness Trust, schenkte 250.000 Pfund an das Lister-Institut für präventive Medizin und im Jahr 1907 nahm an der Finanzierung der ersten Antarktischen Expedition von Ernest Henry Shackleton teil. 

Während des Osteraufstandes in Dublin im Jahr 1916 stellte sich Edward Cecil, der kein Republikaner war, auf die Seite der Engländer. Seine Brauerei gab an die englischen Militärs ihre Fahrzeuge weiter, wodurch ein Teil der Guinness Lastwagen zu “Bierpanzerwagen” wurde. 

Die Krone wusste die Leistungen von Edward Cecil zu schätzen: am 30. September 1919 wurde er zum ersten Earl of Iveagh ernannt. Edward Cecil Guinness, der erste Earl of Iveagh, starb als der reichste Ire und die zweitreichste Person in Großbritannien. In der Antarktis trägt ein Berg seinen Namen: Iveagh.

 

Seine Majestät Widget

Die Gesellschaft wurde im Jahr 1927 durch den älteren Sohn vom ersten Earl of Iveagh, durch Rupert Edward Cecil Lee Guinness, den zweiten Earl of Iveagh, Geschäftsmann, Politiker, hervorragender Ruderer und natürlich Philanthrop, übernommen. Unter seiner Führung eröffnete Guinness die erste Brauerei in London, die erste Produktion in Afrika und fing an Werbung zu machen. Andererseits begann der Untergang der Iveagh Dynastie. Die Familie Guinness lies die reelle Leitung des Betriebs langsam los. Der letzte Vorstandsvorsitzende aus der Familie Guinness war der dritte Earl of Iveagh, Arthur Francis Benjamin Guinness, der Enkel von Rupert Edward Cecil Lee Guinness. Er übernahm die Führung der Gesellschaft im Jahr 1967. 

Hier ist zu bemerken, dass die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts für Irland eine andauernde Krise war: zwei Weltkriege, Krieg für die Unabhängigkeit, Bürgerkrieg, Verlust des britischen Marktes wegen der eigenen Unabhängigkeit, Verlust des amerikanischen Marktes wegen der Prohibition, etc. Im Vergleich zum erfolgreichen 19. Jahrhundert mussten die irischen Alkoholproduzenten ständig ums Überleben kämpfen. Guinness hat es durch diese schwierigen Umstände geschafft und ist sogar durch Innovationen, Übernahmen, Fusionen und Werbung gewachsen.  

In Zusammenhang mit den technischen Entwicklungen von Guinness muss das Fassbier, welches mit Hilfe von einer Mischung aus Stickstoff und Kohlendioxid gezapft wird, erwähnt werden. Diese Gasmischung ist für den festen, cremigen Schaum und den schönen “Lawineneffekt” verantwortlich, die berühmten Merkmale des populären Stout Guinness Draught. 

Noch eine Erfindung wurde der Welt am Ende der 1980er Jahre vorgestellt. Sie war so bedeutend, dass Guinness dafür eine Ehrung der Krone für diese technologische Innovation erhielt, die später von der Öffentlichkeit als “die größte Entwicklung der letzten 40 Jahre” genannt wurde. Es geht um das Widget oder “Stickstoffkapsel”, das in die Dose von Guinness Draught hinzugefügt wird, damit der feste Schaum und der schöne “Lawineneffekt” nicht nur im Pub sondern auch beim Ausgießen aus einer Dose entsteht. 

 

Im Bezug auf Übernahmen und Fusionen gab es zwei wichtige Ereignisse.

Erstens fand im Jahr 1986 der Kauf der Distillers Company Limited, des größten schottischen Whiskey Produzenten und eines der größten Produzenten von Spirituosen der Welt, durch Arthur Guinness’ Son & Co statt.

Zweitens fusionierte die Guinness Brewery im Jahr 1997 mit Grand Metropolitan, was im Jahr 1998 zur Gründung der größten Alkohol Produktionsgesellschaft der Welt Diageo geführt hat, die bis heute die Marke Guinness besitzt.